Freiheit – und Offenheit, die damit einhergeht – wird uns nicht geschenkt. Die Menschen müssen darum kämpfen, immer wieder.

Alfred Herrhausen

Wer war Alfred Herrhausen?

Alfred Herrhausen war von Mai 1985 bis Mai 1989 Vorstandssprecher der Deutschen Bank. In dieser Zeit hat er die Bank umfassend umstrukturiert, modernisiert und international ausgerichtet. Herrhausen war als scharfsinniger und unerschrockener Denker weltweit bekannt. Führende Politiker und Unternehmer suchten seinen Rat. Am 30. November 1989 wurde er bei einem Bombenattentat in Bad Homburg getötet. Er wurde 59 Jahre alt. Zu dem Anschlag bekannte sich die deutsche Terrorgruppe Rote Armee Fraktion. Die Täter wurden nie gefasst.

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ – dieses Bachmann-Zitat ist in die beiden Basalt-Stelen eingraviert, die heute am Tatort an ihn erinnern sollen.

Porträt: Der Vorausdenker

Alfred Herrhausen dachte weit über nationale Grenzen hinaus und verlangte von Wirtschaftsunternehmen die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Der Entwicklung des Gemeinwesens galt seine Leidenschaft mindestens so sehr wie der Entwicklung des Geschäfts.
Er galt als Gegner aller Denkverbote. Immer wieder dachte er laut über Themen nach, die nur wenige seiner Zeitgenossen ansprachen. Vom Schuldenerlass für Entwicklungsländer, über Transparenz, Engagement für das Gemeinwesen, Eigeninitiative und Verantwortung bis hin zu der Frage, wie große Organisationen es schaffen können, offen, authentisch und dynamisch zu bleiben. Der Ungewissheit der Zukunft könne man, so Herrhausen, nur mit größtmöglicher geistiger Freiheit und Flexibilität begegnen. Es ging ihm um die schonungslose Analyse des Bestehenden, um daraus Ideen für die künftigen Ordnungen der Welt entwickeln zu können. „Die meiste Zeit geht dadurch verloren“, sagte Herrhausen „dass man nicht zu Ende denkt.“

Mit dieser Geisteshaltung prägte Herrhausen das Bankhaus, das er lenkte, und damit die gesamte Branche. Ende der Achtziger Jahre forcierte Herrhausen die Internationalisierung der Deutschen Bank. Herrhausens Vision: „Wir wollen eine europäische Filialbank sein und ein Global Player auf dem internationalen Markt.“

Leben: Werdegang und Meilensteine

Alfred Herrhausen wurde am 30. Januar 1930 in Essen geboren. Er studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an der Universität Köln und schloss 1952 als Diplom-Kaufmann ab. 1955 promovierte er bei Karl Wessels über „Grenznutzen als Bestandteil des Marginalprinzips.“ Zuvor hatte Herrhausen bereits seit 1952 als Direktionsassistent in der Hauptverwaltung der Ruhrgas AG in Essen gearbeitet. 1955 wechselte er zu den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen AG (VEW) nach Dortmund, an deren späterer Teilprivatisierung er maßgeblich beteiligt war. 1966 stieg er in den Vorstand der VEW ein, Bereich Finanzen.

In die Deutsche Bank trat Herrhausen 1969 ein. Monate später, am 1. Januar 1970, berief ihn der damalige Vorstand unter Führung von Friedrich Wilhelm Christians zum stellvertretenden Vorstandsmitglied. Ein Jahr darauf wurde er ordentliches Vorstandsmitglied, verantwortlich für Nord- und Südamerika, Australien/Neuseeland und Südafrika. Zudem verantwortete er die Bereiche Außenhandelsfinanzierung sowie volkswirtschaftliche Fragen.

Im Mai 1985 wurde Herrhausen zum Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank gewählt; diese Aufgabe teilte er sich mit Friedrich Wilhelm Christians. Von nun an stellte Herrhausen die Weichen für die Zukunft der Bank und machte sie zum Branchenführer in Deutschland. Am 30. November 1989 fiel Alfred Herrhausen einem Mordanschlag in der Nähe seines Wohnhauses in Bad Homburg zum Opfer.

Alfred Herrhausens Gedanken sind in zahlreichen Schriften dokumentiert. Nachfolgend finden Sie ausgewählte Veröffentlichungen:

Andreas Platthaus (2006): „Alfred Herrhausen: eine deutsche Karriere.“ Rowohlt, Berlin

Alfred Herrhausen (2005): „Denken, Ordnen, Gestalten.“ Reden und Aufsätze, herausgegebenen von Kurt Weidemann. Neuauflage. Siedler, München

Dieter Balkhausen (1990): „Alfred Herrhausen. Macht, Politik und Moral“. Econ, München

Alfred Herrhausen (1987): „Konzepte für die Zukunft: wirtschafts- und ordnungspolitische Alternativen“. Mohr Siebeck, Tübingen

Alfred Herrhausen (1955): „Der Grenznutzen als Bestandteil des Marginalprinzips.“ Dissertation an der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln