Stadt

Was ist Neurourbanistik?

Schadet das Stadtleben unserer seelischen Gesundheit? Möglich wäre es: Menschen in der Stadt haben ein höheres Risiko für stressbedingte Krankheiten. Bei Depressionen ist es 1,4 mal höher, bei Angststörungen 1,2 mal. Die Stadt beeinflusst offenbar das Gehirn der Menschen, die sie bewohnen. Gleichzeitig profitieren diese aber von Möglichkeiten, die es auf dem Land nicht gibt, wie von besserer Ausbildung und ärztlicher Versorgung. „Neurourbanistik“ bezeichnet ein neues, wissenschaftliches Herangehen, das die Zusammenhänge zwischen der Stadt und der Psyche der Menschen in der Stadt untersucht. Den Begriff hat ein akademischer Arbeitskreis geschaffen, den die Alfred Herrhausen Gesellschaft mit initiierte: Das interdisziplinäre Forum Neurourbanistik. Es setzt die inhaltliche Arbeit fort. Mit Auszeichnung: Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ hat das Forum Neurourbanistik 2018 als eine von 100 besonderen Innovationen ausgewählt.

Warum Neurourbanistik?

Die Gestaltung der wachsenden Metropolen ist entscheidend für die zukünftige Lebensqualität der Menschheit. Hierbei gilt es auch, Voraussetzungen für psychische Gesundheit zu schaffen. Wo und warum empfinden Menschen in Städten besonderen Stress? Welche baulichen oder strukturellen Gegebenheiten wirken sich auf die menschliche Psyche wie aus? Kann Stadtplanung dazu beitragen, dass Menschen im urbanen Leben nicht den Halt verlieren? Perspektiven der Neurourbanistik können helfen, hier Licht ins Dunkel zu bringen. Ein neuer Baustein auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen, städtischen Gesellschaft entsteht. 

Wie arbeitet das Forum Neurourbanistik?

Wesentlich für die Neurourbanistik ist das Zusammenspiel verschiedener Fachrichtungen: Insbesondere Stadtplanende und Psychiaterinnen und Psychiater arbeiten im Forum Neurourbanistik zusammen, das seit 2015 zu interdisziplinären Salons einlädt. Mit dabei sind Architekturschaffende, Psychologinnen und Psychologen, ein Zukunftsforscher, eine Soziologin, eine Geruchsforscherin, ein Philosoph und ein Gesundheitsexperte. Das Ziel der Salons ist unter anderem ein konkretes Forschungsprogramm, das auf größerer Ebene umgesetzt werden kann: In der „Charta Neurourbanistik“ resümiert das Forum Neurourbanistik derzeit unter der Leitung von Psychiater PD Dr. med. Mazda Adli die Ergebnisse der interdisziplinären Debatte zur seelischen Gesundheit in der Stadt. In neun Themenfeldern, darunter zum Beispiel Dichte, Ökonomie, Soziale Beziehungen und Öffentliche Räume, formulieren die Mitglieder des Forums auf Basis ihrer Forschung Thesen und leiten daraus konkrete Forderungen an die Stadtgestaltung ab. So erwächst aus Forschung ein politischer Auftrag für die menschengerechte Entwicklung und Gestaltung von öffentlichem Raum in unseren Städten.

Aktuelle Aktivitäten im Arbeitsfeld „Stadt“

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Weitere Infos zu Cookies und deren Deaktivierung finden Sie hier.