AHG-Newsletter

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EDITORIAL

Liebe Freundinnen und Freunde der Alfred Herrhausen Gesellschaft,

in was für einer Welt wollen wir leben? Selten haben sich so viele Menschen gleichzeitig und allerorts diese Frage derart intensiv gestellt wie im Jahr der Pandemie. „Neu“, „weiter“, „anders“, „Zukunft“, „Mut“: Hiernach sehnen wir uns. Buchtitel, Werbebotschaften und Wahlkampfslogans zeugen davon. Ferdinand von Schirach, die Stiftung Jeder Mensch e.V. und bereits 200.000 Bürger:innen sagen konkret: Wir fordern sechs neue Grundrechte für Europa. Es sind Grundrechte, die den Menschen vor den Bedrohungen schützen, denen er durch Umweltzerstörung, Digitalisierung, Populismus und Globalisierung ausgesetzt ist. In Vorfreude auf das Europa-Wochenende haben wir am 6. Mai mit Vertreter:innen der Stiftung Jeder Mensch e.V. sowie mit Politiker:innen und Jurist:innen die Vorschläge erläutert. Den Mitschnitt des Livestreams finden Sie hier.

Wie wir als Gesellschaft mit den Umbrüchen und Herausforderungen unserer Zeit umgehen können und wollen, das beschäftigt uns bei der Alfred Herrhausen Gesellschaft auch in unseren drei Programmen Europa, Stadt und Frei Denken. Immer arbeiten wir geleitet von der Überzeugung, dass wir in unserer komplexen Welt die Themen von unterschiedlichen Perspektiven beleuchten müssen; dass wir ausprobieren und lernen dürfen. Wir machen Neues sichtbar und richten den Blick auch mal weit nach vorn – Beispiele hierzu folgen weiter unten.

Viel Freude beim Lesen wünschen

Dr. Anna Herrhausen
Geschäftsführerin

Daniela Kaiser
Geschäftsführerin

EUROPA

Europa muss sich in Zukunft immer stärker im Digitalen definieren und behaupten. In unserem Programmbereich Europa lag der Schwerpunkt in den letzten Monaten daher auf europäischer Digitalpolitik und den damit zusammenhängenden Fragen: Wie sehen die digitalen Debattenplattformen der Zukunft aus? Wo bleibt Europa im Rennen zwischen China und den USA um die Vorherrschaft bei den digitalen Technologien? Wird die Europäische Union den Anspruch der digitalen Souveränität erfüllen können? Um darauf Antworten zu finden, haben wir mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe drei Szenarien für ein digitales Europa im Jahr 2030 entworfen. Daran mitgewirkt haben u. a. Georg Diez (Journalist und Autor), Elisabeth von Hammerstein (Programmleiterin im Bereich Internationale Politik, Körber-Stiftung), Julian Jaursch (Projektleiter, Stiftung Neue Verantwortung) und Dr. Jana Puglierin (Head of the Berlin Office & Senior Policy Fellow, ECFR).

Europäische Digitalpolitik vorausschauend gestalten


Für politische Entscheidungen kann die strategische Vorausschau neue Perspektiven eröffnen. Deshalb haben wir in mehreren Workshops, u.a. mit dem Auswärtigen Amt, dem Bundespräsidialamt, dem Bundeskanzleramt und dem Digitalverband Bitkom, die Inhalte und Methoden des Projekts diskutiert. Wie Foresight-Methoden eingesetzt werden, um geopolitische Szenarien zu entwickeln, erfahren Sie beim Hören unseres Weitergedacht-Podcasts in der Folge „Looking to the future – How foresight can foster strategic thinking“.


Interessiert hat uns auch, was die Bürger:innen von der (digitalen) Zukunft Europas erwarten. Diese Frage stand im Zentrum unserer Civey-Umfrage im Rahmen des Projekts Digitales Europa 2030. Die Ergebnisse wurden von Dr. Katarina Barley (SPD), Prof. Dr. Ulrike Guérot und Dr. Norbert Röttgen (CDU) kommentiert und hier veröffentlicht.

Über digitale Transformation und politische Öffentlichkeit in Europa haben die Journalistin Hanna Israel, Projektleiterin der internationalen Plattform My Country Talks, Paul Ostwald, Chefredakteur und Gründer von Forum.eu und Ulrich Wilhelm, ehemaliger BR-Chef und Mitherausgeber des Impulspapiers „European Public Sphere“ in unserem Podcast „Agora Europa – was ist der Marktplatz der Meinungen im digitalen Zeitalter?“ diskutiert.

Fellowship zur Stärkung digitaler Kompetenzen


Um jungen Menschen ganz konkret Möglichkeiten der digitalen Teilhabe zu vermitteln, haben wir ein Fellowship-Programm ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa und der Initiative Understanding Europe werden vier junge Bildungsmacher:innen aus Armenien, Malta, Rumänien und der Türkei in den nächsten Monaten diversitätsorientierte, pädagogische Angebote zur Stärkung demokratischer Kompetenzen im digitalen Raum entwickeln.

STADT

Die Shut- oder Lockdowns der Pandemie verändern das Leben in Städten weltweit massiv. Auch darüber hinaus wird urbanes Zusammenleben gerade neu gedacht. Das war und ist unter anderem Thema in unseren Urban Age Debates, die wir zusammen mit unseren langjährigen Partnern LSE Cities und der LSE School of Public Policy durchführen. Nicht nur dort positionieren wir Städte als eigenständige und politisch wirkende Akteure.

Urban Age Debates – Städte in den 2020er Jahren

Auch Sie haben wahrscheinlich die Erfahrung des Arbeitens im Homeoffice aufgrund der Coronapandemie gemacht. Was diese Veränderung mittel- und langfristig für Städte weltweit bedeutet, war Thema in unserer ersten Urban Age Debate „Socialising Remote Work – Will changing patterns in knowledge work reduce or amplify the human need to meet in cities?“im Januar 2021. Grundlage der Diskussion war eine Umfrage zur Zukunft der Arbeit, deren Ergebnisse hier zusammengefasst sind.


Die zweite Urban Age Debate unter dem Titel „Humanising the City: Can the design of urban space promote cohesion and healthier lifestyles?“ im April griff die Erfahrung des „Social Distancing“ und den Rückzug in die eigenen vier Wände auf, um an die Vorteile eines human gestalteten und zugänglichen öffentlichen Raums zu erinnern. Internationale Architekt:innen zeigten eindrucksvoll, wie sich Nachhaltigkeit und Inklusion im post-pandemischem Urban Design niederschlagen werden (Trailer zur Debatte, Aufzeichnung der Debatte, Ergebnisse in Kernthesen).

Melden Sie sich hier für die dritte Urban Age Debate „Localising Transport – Towards the 15-minute city or the one-hour metropolis?“ an und nehmen Sie an unserer Umfrage zum Thema „City Access“ teil!

Die Rolle der Städte in der transatlantischen Zusammenarbeit

Über die besondere Rolle von Städten und Bürgermeister:innen seit dem Regierungswechsel zu Joe Biden und Vize-Präsidentin Kamala Harris ging es auch im Gespräch „A Transatlantic View on Joe Biden's First 100 Days“ im Rahmen unseres New Urban Progress Projekts. Cathryn Clüver Ashbrook, Executive Director des „Project on Europe and the Transatlantic Relationship“ und des „Future of Diplomacy Project“ an der Harvard Kennedy School, Muthoni Wambu Kraal, Partner bei NEWCO Strategies und ehemals National Political and Organizing Director des Democratic National Committee, und Prof. Dr. Michael Werz, Senior Fellow am Center for American Progress und Senior Mercator Fellow, analysierten den Status der Demokratie in den USA – insbesondere mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen (zur Aufzeichnung).

FREI DENKEN

Im Programmbereich FREI DENKEN gehen wir gemeinsam mit Vordenker:innen der Frage nach, wie eine freie und offene Gesellschaft zukünftig funktionieren kann. Wie verändern sich unsere Perspektiven und was kann jeder und jede Einzelne von uns für eine gerechtere Gemeinschaft tun? Welche positiven Transformationsimpulse können wir dabei aus der Pandemie mitnehmen?

#WeiterDenken20xx

Das Buch Weiter. Denken. Ordnen. Gestalten setzt die Position der Alfred Herrhausen Gesellschaft in einen Dialog mit zeitgenössischem Denken. Auf Grundlage dieses Projekts haben wir zum Beginn der Coronapandemie 2020 die Essays von 13 Vordenker:innen aus Ökonomie und Bildung veröffentlicht. Die Texte einflussreicher Autor:innen wie Prof. Dr. Andreas Schleicher, Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Prof. Dr. Ulrike Guérot und Denise Feldner reflektieren Themen aus Weiter. Denken. Ordnen. Gestalten vor dem Hintergrund der veränderten Gegenwart und tragen zukunftsweisende Lösungs- und Handlungsvorschläge zusammen. Kurz und bündig fasst unsere Projektmanagerin Antonia Marx alle Essays in einem Video zusammen, untermalt mit Visualisierungen der Berliner Künstlerin Esther Blodau.


Fragen wie Wirtschaft dem Menschen nachhaltig dienen kann oder nach unserer europäischen Zukunft, werden uns auch weiterhin beschäftigen. Deshalb freuen wir uns auf die Fortsetzung des Gedankenexperiments unter dem Titel #WeiterDenken20xx. Angehende Journalist:innen der Kölner Journalistenschule (KJS) haben ganz besondere Texte über die europäische Medienlandschaft sowie Bildung und Kultur mit Blick auf die Corona-Krise und die Zeit danach geschrieben. Alle Essays finden Sie nach und nach auf unserer Übersicht. Freuen Sie sich auf ungewohnte Leseerfahrungen!

Jeder Mensch

Umweltzerstörung, Digitalisierung, die Macht der Algorithmen, systematische Lügen in der Politik, ungehemmte Globalisierung und Bedrohungen für den Rechtsstaat – Das sind die sechs Herausforderungen, die neue Grundrechte für Bürger:innen der EU nötig machen und die Forderung der Initiative JEDER MENSCH des Autoren und Juristen Ferdinand von Schirach. Er und die fast 200.000 Mitstreiter:nnen wollen die Verfassungen Europas aktualisieren. In einer Veranstaltung mit u. a. Maja Göpel, Heribert Hirte, Bijan Moini und Franziska Brantner diskutierten wir die Initiative (Mitschnitt des Livestreams).

Fragen an das Kuratorium

Unser Kuratorium begleitet unsere Arbeit als Impulsgeber und Inspirationsquelle. Wir freuen uns, dass die Persönlichkeiten aus diesem Kreis unseren Newsletter an dieser Stelle bereichern. Den Beginn macht Dr. Paul Achleitner, Vorsitzender des Kuratoriums.

Alfred Herrhausen Gesellschaft: „Die meiste Zeit geht dadurch verloren“, sagte Alfred Herrhausen, „dass man nicht zu Ende denkt.“ Was wird Ihrer Meinung nach momentan nicht zu Ende gedacht?

Paul Achleitner: Da fallen mir mehrere Beispiele ein: Kurzfristig der schleppende Covid-Impfprozess in Europa, mittelfristig das Inflationsrisiko angesichts der staatlichen Verschuldungsproblematik und langfristig die gesellschaftlichen und militärischen Auswirkungen künstlicher Intelligenz, die enorm unterschätzt werden.


Alfred Herrhausen Gesellschaft: Die Pandemie hat uns viel gelehrt – teilen Sie mit uns, was das lehrreichste für Sie war?

Paul Achleitner: Die Grenzen effektiver Bürokratie. So erfolgreich z.B. die deutsche Verwaltung das Problem in der ersten Covid-Welle durch Regeln in den Griff bekommen hat, so sehr stand sie sich gewissermaßen selbst im Weg, als bei den Impfungen unternehmerische Entscheidungen gefragt waren.

Alfred Herrhausen Gesellschaft: Sie haben schon einige strategische Veränderungsprozesse verantwortet – was können Sie uns mitgeben, um erfolgreich die derzeitigen Herausforderungen zu stemmen?

Paul Achleitner: Nicht nur „außerhalb der Box“ denken – sondern ganz ohne...

Was unser Team liest

Dr. Claudia Huber (Programmleiterin Europa): Channelling Mobilities. Migration and Globalisation in the Suez Canal Region and Beyond, 1869–1914 (Valeska Huber, 2013)

Valeska Hubers historische Arbeit zum Suezkanal zeigt, wie Infrastrukturen und dazugehörige Regelwerke bereits im späten 19. Jahrhundert Kommunikation und Mobilität zugleich ermöglichen UND verhindern konnten. In der heutigen Debatte über globale Interdependenz, Migration und (digitale) Infrastrukturen bietet diese Analyse erstaunlich viele Anknüpfungspunkte.

Verlosung und Feedback

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